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Urteile von ausländischen Gerichten
in Staaten, die keinerlei internationaler Konvention
zur gegenseitigen Anerkennung von Gerichtsurteilen angehören,
zu denen auch Irland gehört, sind nicht automatisch
nach irischem Recht vollstreckbar. In vielen Fällen
sind neue Verfahren vor dem jeweils zuständigen
irischen Gericht zu betreiben und die Verfahrensunterlagen
dem Beklagten durch den Kläger zuzustellen. Dabei
muss die Forderung neu bewiesen werden. Die innerhalb
der Europäischen Union geltende Konvention von
1968, bekannt als Brüsseler Konvention oder EuGVÜ,
umfasst die Gerichtsbarkeit und die Anerkennung und
Durchsetzung von Urteilen in privaten wie geschäftlichen
Angelegenheiten. Die neue Verordnung über die gerichtliche
Zuständigkeit und die Anerkennung und Vollstreckung
von Entscheidungen in Zivil- und Handelssachen (Verordnung
des Rates (EG) Nr. 44/2001 vom 22.12.00) ist nun mit
Wirkung vom 01.03.02 in irisches Recht umgesetzt worden.
Nachfolgend finden Sie oft gestellte Fragen zum Inkassoverfahren
und zur Vollstreckung von Urteilen der Gerichte der
Mitgliedstaaten der Europäischen Union in Irland
unter Benutzung des Verfahrens der Brüsseler Konvention
A. Erkennt Ihr Land Urteile, die von ausländischen
Gerichten gefällt wurden an und erlaubt es die
Vollstreckung solcher Urteile?
Ja. Die Brüsseler Konvention von 1968 wurde in
Irland durch den Enforcement of Judgements (European
Communities) Act 1988 ausgeführt. Dieser wurde
durch den Enforcement of Judgements (European Communities)
Act 1998 ersetzt, der wiederum nun durch die European
Communities (Civil & Commercial Judgements) Regulation
2002.
B. Wie betreibt der ausländische Gläubiger
das Vollstreckungsverfahren in Irland? Welche Dokumente
muss der Gläubiger vorlegen?
Der beste Weg ist es, wenn der Anwalt des Gläubigers
einen irischen Anwalt konsultiert. Das Hauptthema, über
das Beweis zu erheben ist, ist, dass die Dokumente dem
Schuldner richtig zugestellt wurden. Diese Dokumente
beinhalten die Klageerhebung und alle Gerichtsbeschlüsse,
einschließlich der Kostenbeschlüsse, die
Gegenstand des Vollstreckungsverfahrens sind. Der richtigen
Zustellung der Dokumente wird von den irischen Gerichten
große Beachtung entgegengebracht. Richtige Zustellung
bedeutet Zustellung in Übereinstimmung mit den
Gesetzen des Landes, in dem das Urteil ergangen ist.
Manchmal sind die irischen Gerichte an der Vorbereitung
der Zustellung der ausländischen Gerichtsdokumente
an den in Irland wohnhaften Schuldner beteiligt. Dies
ist der Fall, wenn sich der ausländische Gläubiger
entschließt, die Zustellung unter Benutzung des
Verfahrens der Den Haager Konvention über die Auslandszustellung
von gerichtlichen und außergerichtlichen Dokumenten
zu bewirken. Die Liste von Dokumenten, die der Gläubiger
vorlegen muss, ist von Fall zu Fall verschieden. Im
Allgemeinen wird sie die ausländische gerichtliche
Entscheidung sowie eine englische Übersetzung hiervon
enthalten. Die gerichtliche Entscheidung wird unter
normalen Umständen als rechtswirksam und vollstreckbar
gekennzeichnet sein müssen. Die Tatsache, dass
die gerichtliche Entscheidung zusammen mit den Einzelheiten
der Zustellung zugestellt wurde, wird normalerweise
auf den Dokumenten vermerkt sein.
C. Wie hoch sind die Gerichtskosten und die Anwaltsgebühren
für das Hauptverfahren und das Vollstreckungsverfahren
in Irland?
Die Anwaltsgebühren sind Vertragsangelegenheit.
Sie sind nicht gesetzlich festgelegt. Normalerweise
wird ein Anwalt seine Gebühren an der Zeit, die
er mit der Sache befasst ist, den Fähigkeiten und
der Verantwortung, die die Angelegenheit mit sich bringt,
sowie auch nach dem Spezialwissen, der Komplexität,
der Wichtigkeit oder Schwierigkeit und Dringlichkeit
der aufgetretenen Fragen bemessen. Daneben orientieren
sich die Gebühren auch an der Höhe des Wertes
des Streitgegenstands, an der Anzahl und Wichtigkeit
der geprüften Dokumente, am Ort, an den Umständen
und der Sprache, in der das Geschäft oder ein Teil
davon abgewickelt wird. Dies alles sind Fragen, die
wir uns stellen, wenn wir mit unseren Klienten die Anwaltsgebühren
vereinbaren. Dies sind auch die Punkte, die das Gericht
beachtet, wenn es Streitigkeiten zwischen Mandant und
Anwalt über die Höhe des Honorars entscheidet.
Die Gerichtskosten sind fest und durch öffentliches
Recht bestimmt. Die Urkundengebühr für die
Einreichung jeder eidesstattlichen Versicherung, die
den Antrag unterstützt, beträgt zur Zeit (Mai
2003) € 10,- und für die Einreichung einer
Klage € 90,-.
D. Wer zahlt die Anwalts- und Gerichtskosten? Ist
die Partei, die den Rechtsstreit verliert, verpflichtet,
die Kosten zu tragen?
Das ausländische Gericht muss über alle Angelegenheiten
entscheiden, die die Gebühren betreffen, die dem
Gläubiger dabei entstanden sind, dass er seine
Forderung gegen den Schuldner, der nunmehr in Irland
wohnhaft ist, gerichtlich durchsetzen musste. Es ist
möglich, als Teil des Antrags auf Erklärung
der Rechtskraft, eine Enforcement Order zu erlangen,
um die entstandenen ausländischen Kosten beizutreiben.
Die Zinsen auf solche Kosten können ebenfalls durch
die Enforcement Order gesichert werden. Die Kosten,
die dem Gläubiger dadurch entstehen, dass er einen
Anwalt in Irland beauftragt, eine Enforcement Order
zu erlangen, werden normalerweise im Wege des Antrags
des irischen Anwalts auf Erlass eines Kostenfest-setzungsbeschlusses
durch das Gericht beigetrieben. Das Gericht hat freies
Ermessen in allen Fragen, die die Kosten betreffen.
Normalerweise wird das Gericht den Schuldner anweisen,
alle Kosten für den Antrag an das Gericht zu tragen.
Anträge an den irischen High Court auf Erteilung
einer Order of Enforcement werden ex parte
gemacht, das heißt ohne Benachrichtigung des Schuldners.
Es stellt sich daher nicht die Frage, ob der Schuldner
den Rechtsstreit verliert oder nicht. Der Schuldner
hatte den Rechtsstreit bereits verloren, als das Verfahren
vor dem ausländischen Gericht anhängig war
und dieses seine Entscheidung erlassen hat.
E. Wer zahlt die Vollstreckungskosten?
Die Kosten für die Vollstreckung werden normalerweise
vom Gläubiger gezahlt, obgleich er berechtigt ist,
die Kosten vom Schuldner ersetzt zu verlangen. Bestimmte
Kosten, z.B. die Kosten für den Gerichtsvollzieher,
können vom Vollstreckungsschuldner beigetrieben
werden.
F. Wieviel Zeit nimmt das Hauptverfahren in Anspruch?
Die Bearbeitung des Antrags auf Erteilung einer Order
of Enforcement für ein ausländisches Urteil
dauert generell ungefähr zwei Monate vom Tage der
Antragstellung bis zu dem Tag, an dem sie bewilligt
wird. Die Zeitspanne ist jedoch von Fall zu Fall unterschiedlich.
G. Besteht die Möglichkeit eines abgekürzten
Verfahrens, um Schulden beizu-treiben?
Die Beitreibung von Schulden erfolgt generell im Wege
des Gerichtsverfahrens. Wenn sich der Schuldner in einem
solchen Verfahren nicht verteidigt, besteht die Möglichkeit,
einen Antrag auf Erlass eines Urteils im abgekürzten
Verfahren zu stellen.
H. Wie lange dauert das Anerkennungs- und Vollstreckungsverfahren?
Der Gläubiger sollte mit zwei Monaten vom Tage
der Beauftragung eines irischen Anwalts bis zum Erlass
der Entscheidung rechnen. Weiterhin sollte der Gläubiger
mit weiteren 2 - 3 Monaten für das Vollstreckungsverfahren
rechnen und dabei bedenken, dass der Schuldner vom Zeitpunkt
der Zustellung der Enforcement Order einen Monat
Zeit hat, in dem er ein Rechtsmittel einlegen kann,
durch das die Vollstreckbarkeit der Entscheidung normalerweise
ausgesetzt wird.
I. Welche Arten der Vollstreckung existieren? Welche
Methoden der Vollstreckung werden bevorzugt?
Die Methoden der Zwangsvollstreckung, die gewählt
werden, hängen von den Umständen des Einzelfalles
ab, z.B. davon, ob es sich beim Schuldner um eine Privatperson
oder eine Gesellschaft handelt. Die Vollstreckungsoptionen
beinhalten:
* Die Insolvenz einer Privatperson
* Die Liquidation einer juristischen Person
* Die Vollstreckung eines Urteils durch einen vom Gericht
ernannten Gerichtsvollzieher
* Die Veröffentlichung des Urteils in Wirtschaftsmagazinen
* Die Eintragung des Urteils als Zwangshypothek
J. Wie lange dauert das Vollstreckungsverfahren?
Dies hängt von der ausgewählten Vollstreckungsmethode
ab. Die Publikation erfolgt über Nacht. Die Liquidation
kann einige Monate dauern, während das Insolvenzverfahren
mehrere Jahre in Anspruch nehmen kann.
K. Was kann der Gläubiger tun, wenn die Vollstreckung
erfolglos verläuft?
In den meisten Fällen schreibt der Gläubiger
die Forderung ab. Das Urteil bleibt 12 Jahre lang gültig
und kann erneuert werden.
L. Was kann im Falle der Insolvenz des Schuldners
getan werden?
Wenn der Schuldner eine Privatperson ist und insolvent
wird, dann hat die Forderung des Gläubigers keinen
Vorrang vor den anderen ungesicherten Forderungen. Die
Forderung des Gläubigers sollte trotzdem beim Konkursverwalter
angemeldet werden. Wenn der Schuldner eine Gesellschaft
ist und in Liquidation fällt, so sollte der Gläubiger
auch in diesem Fall seinen Anspruch beim Liquidator
anmelden.
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